Staging the Family
The films by Julius Neubronner
Julius Neubronner was one of the first who used the Ernemann-Kino in Germany.
He was pharmacist in Kronberg by Frankfurt and as amateur inventor of a couple of amazing things,
as for instance a flying camera (attached to a dove). His films can be seen as adaption of different modes
of filming at that time. We find family scenes in the garden in the tradition of the portrait.
But we also find magic tricks, acrobatic and dance performances, that were carefully staged in
his garden. Fragments of his films were first shown on German television in the series
"Familienkino" by Michael Kuball (1980). Kuball also published a little book along with
the series from which the following extract is chosen. A big collection on Neubronner-17,55mm-films
got restored and edited on video by the Filmmuseum Frankfurt/Main
("Kaiser,Kintopp und Karossen", 1996).
"Julius Neubronner, der zur gleichen Zeit lebte wie die Lumières und Méliès, war ein vielseitiger Amateur. Als Dokumentarist hielt er eine Denkmalseinweihung mit Kaiser Wilhelm fest, drehte Karnevalsumzüge und Autorennen. Als "Trickfilmer" stellte sich der Hofapotheker auf die Bühne und führte Zauberkunststücke vor. Unter seiner Regie entstand ein Film, in dem er - per Stoptrick - einen Jungen in ein Mädchen verwandelte, und das ging so: Auf der Bühne wird sein Sohn gefilmt, er verschwindet unter einer groβen Tonne aus Pappkarton. Jetzt hört der Operateur auf zu kurbeln, die Kamera stoppt, der Junge unter der Tonne wird befreit. Nun kommt das Mädchen und versteckt sich darunter, wobei die Tonne an genau denselben Platz zurückgestellt wird. Dann erst dreht man weiter. Das Mädchen kommt aus der Tonne heraus; bei der Vorführung sieht diese synthetische Filmsequenz ganz wie eine Geschlechtsumwandlung aus.
Julius Neubronner hat noch andere synthetische Filme gedreht: in seinem Spielfilm "Des Jägers Traum", den sein Sohn Carl kommentiert, setzt er mit der gleichen Technik einen Alptraum in Szene. Dabei steht seine Kamera starr vor der Freilichtbühne im Garten. Das Aufnahmeprojekt ist noch nicht so lichtstark, das Filmmaterial nicht so empfindlich wie heute. Deshalb werden die meisten Amateurfilme zu Anfang dieses Jahrhunderts im Freien gedreht."
Aus: Michael Kuball: Familienkino. Geschichte des Amateurfilms in Deutschland. Bd. 1, 1900-1930, S. 32-33