Filming Africa

  The ethnographer Karl Weule used an Ernemann-Camera

 

Karl Weule was most likely the first German ethnographer using a film camera for ethnographic research on his expedition to the South of the German East African colony in 1906/07. Part of his equipment was an Ernemanncamera. Sixteen of his short ethnographic films have been recently rediscovered at the Museum für Völkerkunde zu Leipzig and are the oldest German film documents from Africa. The following correspondence between Weule and Herinich Ernemann is taken from the expedition file that is archived at the Archiv des Museums für Völkerkunde zu Leipzig.

 

Weule's expedition and his significance for the history of German ethnographic film is part of a current dissertation project at Utrecht University.

 

Wolfgang Fuhrmann: German colonial cinematography in Africa:

 

A case study on the history of early  nonfiction cinema.

 

Aktenstück Expedition 1908/90 Prof. Weule

 

Ernemann an Weule, 28.02.1907

(Antwort auf den Brief vom 25.02)

 

Man beglückwünscht Weule (zu seinem Erfolg mit den Filmen?). und weist darauf hin, daß die restlichen

 

Filme nicht mehr verbessert werden können.

 

"Ebenso erhalten Sie die Positiv Films, welche Herr Becker mitgenommen hatte, heute zurück.

Was nun die weiteren von uns als untauglich befundenen Films anbelangt, so glauben wir nicht, dass es Ihnen gelingen wird, dort bessere Resultate zu erzielen. Die Erfahrungen eines Tropen-Entwicklers können jetzt nicht mehr in Frage kommen, da es sich doch nur um die Herstellung der Positive handelt. Wir werden jedoch von den hier befindlichen Negativen die 2 besten heraussuchen, copieren, und Ihnen die Positive nebst Negativen zur Prüfung einsenden. Sollten sie mit den Resultaten zufrieden sein, so könnten wir ja nach und nach die übrigen wenig guten Films copieren, bis wir an eine Grenze ankommen, wo Sie sagen, dass es sich nicht mehr verlohnt."

 

...Was nun Ihren Vortrags-Feldzug anbelangt, so sind wir gern bereit, sie nach Möglichkeit hierher zu unterstützten. Wir werden Ihnen umgehend eine Kosten-Aufstellung über die erforderliche Ausrüstung zugehen lassen. Wenn Sie aber glauben, nach beendeter Turnée keine Verwendung mehr für die Ausrüstung zu haben, so sind wir gern bereit, die Projektions-Ausrüstung mit Ausnahme der Films zurückzunehmen, ohne hierfür irgend welche Leihgebühr in Anrechnung zu bringen.[...]

 

Als Aequivalent hierfür würden wir uns erbitten, dass Sie bei all' Ihren Vorführungen und Vorträgen in empfehlender Weise des "Ernemann-Kino" gedenken und erwähnen, dass die sämtlichen Aufnahmen mit dem "Ernemann-Kino" gemacht worden sind und projiziert werden.

 

Ferner würden wie Sie um die Erlaubnis zur Mitbenutzung der von Ihnen gemachten Kino-Aufnahmen bitten dergestalt, dass Sie uns die Vervielfältigung der Films und den Vertrieb derselben gestatten. Wir hoffen, dass Sie mit diesen Vorschlägen einverstanden sein werden und sehen Ihren diesbezüglichen gefl. Nachrichten gern entgegegen.

 

Ernemann an Weule, 2.03.1907

..Wie wir Ihnen bereits mitteilten, haben wir von den 3 besten noch nicht copierten Negativen Positive angefertigt, welche wir Ihnen heute zusenden. Diese Bilder reichen in Bezug auf Qualität nicht an die ersten Positive heran, doch entschliessen Sie sich vielleicht, sie weiter zu benutzen in Berücksichtigung der interessanten Szenen, welche sie darstellen. Es sind noch weitere Negative vorhanden, welche diesen ziemlich gleichwertig sind und fragen wir hiermit höff. an, ob wir diese 7 Negative ebenfalls noch copieren sollen. Ihrem Wunsch gemäss offerieren wir ihnen 1 Bogenlampe, für 1/20 Ampere Gleichstrom und Wechselstrom nebst Widerstand für 110 und 230 Volt und 5 Meter Anschlusskabel zum Preise von Mk.90.

 

Beiliegend sind die Titel der Ihnen zugehenden Bilder: No 22 Matola Makwaru II (Makud), 16 Wanyassa-Ngoma, k Chimbère, 24 Matole Bearbeitung von Mtana-Mehele

 

Wir sehen Ihren geschätzten weiteren Nachrichten entgegen und zeichnen".

 

Ernemann an Weule, 4.03.1907

Film No.3 befindet sich allerdings in unseren Händen, doch ist er gänzlich unbrauchbar. Es ist unmöglich, irgend etwas aus ihm herauszubekommen. Wenn sie auf 20 Meter Entfernung projizieren wollen, so ist unbedingt erforderlich, dass Sie uns das Projektionswerk (ohne Laternengehäuse und Brett) sofort einsenden, damit wir ein lang brennweitiges Objektiv einsetzen können. Dieses Objektiv wird bei 20 Meter eine Bildbreite von etwa 3.60 Meter geben. Es würde sich vielleicht empfehlen, wenn wir Ihr Projektionswerk mit einem Satz von 3 Objektiven von 3 verschiedene Brennweiten ausrüsten, damit sie sich in allen Lagen helfen können. Wir sehen ferner noch Ihren Bescheid betr. der Films entgegen und zeichnen Hochachtungsvoll...

 

(s. Rechnung 9 März)

 

Ernemann an Weule, 5.03.1907

Wir danken bestens für Ihr geehrtes Schreiben No.77 von 3er und werden wir ihnen nach Rücksprache mit unserem Herrn Becker die komplette Ausrüstung zukommen lassen.

 

Der Preis für das Entwickeln war früher 30 Pfg. und ist in unseren letzten Listen auf 20 Pfg. herabgesetzt worden. Die Entwicklung Ihrer Films jedoch ist, wie Ihnen ja auch bekannt ist, nicht in der gewöhnlichen Weise, wie die täglich uns zur Entwicklung eingesandten Films vor sich gegangen, sondern wir haben unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse uns stets extra Entwickler angesetzt, haben erst kurz abgeschnittene Proben entwickelt und sind sonst überhaupt mit der grössten Vorsicht an die Entwicklung dieser wertvollen Bilder herangegangen, haben sie teilweise verstärkt, teilweise abgeschwächt etc. etc. und wir glauben, dass sie unter Berücksichtigung dieser vielen schwierigen Extra-Arbeiten den früheren Normal Preis als angemessen betrachten werden. Ihre Aufklärung bezüglich der Anzahl Films liessen wir uns bestens dienen und werden Ihnen richtiggestellte Rechnung zugehen lassen. Die 3 Positive schätzten wir in Ihrem Besitz und werden wir von weiteren Negativen Positive anfertigen. Schliesslich danken wir Ihnen noch für Ihre Aufklärung betreffs des Mitbenutzungsrechtes der Films und haben wir heute an Herr Prof. Dr. Meyer ein Schreiben gerichtet, dessen Kopie wir zu Ihrer gefl. Kenntnisnahme beifügen. Wir hoffen das gewünschte Einverständnis zu erhalten und rechnen dabei auf ihre Befürwortung. Inzwischen begrüssen wir Sie...

 

5.03.1907, Abschrift des Briefes von Ernemann an Herrn Prof. Dr. Meyer

Vorsitzender der Kommission zur landeskundlichen Erforschung der Kolonien, Leipzig, Haydnstrasse 20

 

Sehr geehrter Herr Professor!

 

Wir gestatten uns Ihnen als Vorsitzender der erwähnten Kommission folgendes zur wohlwollenden Erwägung zu unterbreiten!

 

Herr Prof. Dr. Weule hat auf seiner ostafrikanischen Expedition auch eine Anzahl kinematographischer Aufnahmen gemacht und wir setzen voraus, dass Sie diese Bilder bereits in der Projektion gesehen haben. Bei den jetzigen nationalen Bestrebungen, das Volk über das Wesen und die Bedeutung unserer Kolonien aufzuklären, sucht man ja bekanntlich nach allen möglichen instruktiven Hilfsmitteln und die Erfolge dieser Bestrebungen sind ja auch nicht ausgeblieben. Andererseits sind sich jedoch die Kreise, von welchen die Bestrebungen ausgingen, klar darüber, dass die jetzigen Erfolge kein Endergebnis bedeuten dürfen, sondern dass die aufklärenden Arbeiten nach dieser Richtung hier ununterbrochen fortgesetzt werden müssen, um einem evtl. Rückschlag in der Volksstimmung vorzubeugen. Nach unserer Meinung sind nun die erwähnten Aufnahmen von Herrn Prof. Dr. Weule ganz besonders dazu geeignet, unsere Kenntnisse über das Land und die Bevölkerung unserer Kolonien ganz wesentlich zu erweitern und würde somit die Verbreitung dieser Films durch Vorführung in den verschiedensten Kreisen wesentlich dazu beitragen, das Verständnis für unsere Kolonien zu heben.

 

Wie uns Herr Prof. Dr. Weule mitteilt, wird er nun diese Bilder anlässlich verschiedener Vorträge vorführen. Wir sind nun in der angenehmen Lage, Fühlung mit allen Kreisen Deutschlands, wie des Auslandes zu haben, welche kinematographische Vorführungen in den Familien, in kleineren und in grösseren gesellschaftlichen Kreisen veranstalten.

 

Unsere Bitte geht nun dahin, uns das Recht zu erteilen, die Aufnahmen des Herrn Prof. Dr. Weule zu vervielfältigen und diesen Kreisen zugänglich zu machen. Wir sind überzeugt, dass damit die Bestrebungen der Regierung nur unterstützt werden und wir hoffen Ihr Einverständnis mit unseren Vorschlägen zu erhalten. In der angenehmen Erwartung eines gefl. Bescheides hierüber zeichnen wir mit grösster Hochachtung

 

07.03.1907 Brief der Columbia Phonograph Company an Weule

Für den Vortrag in Berlin stellt man einen BC Grapho-o-phon zur Verfügung.

 

Ernemann an Weule, 8.03.1907

..Herr Prof. Dr. Weule, Leipzig

 

"die elektrische Lampe etc. wird Ihnen am Sonnabend zugeschickt werden. Herr Prof. Meyer teilt uns mit, dass wir die Filme Ihnen allein zur Verfügung halten müssen, solange Sie Ihre Vorträge halten. Über das Recht die Films evtl. später zu benutzen, habe das Kolonialamt zu bestimmen. Wir bitten Sie daher uns gefl. Mitteilung, bis wann Sie voraussichtlich Ihre Verträge halten werden, damit wir das Gesuch an das Kolonialamt rechtzeitig einreichen können und hoffen wir gleichzeitig auf Ihre Unterstützung in dieser Angelegenheit. wir empfehle uns. Hochachtungsvoll"

 

Heinrich Ernemann, Aktiengesellschaft für Camera-Fabrikation in Dresden

 

Ernemann an Weule, Leipzig Südstrasse 33, 9.03.1907

..Die Absendung der elektrischen Bogenlampe nebst Widerstand war uns beim besten Willen heute nicht mehr möglich und depeschierten wir Ihnen diese wenig erfreuliche Nachricht Die Fertigstellung der einzelnen Teile einer solchen Lampe nimmt immer eine geraume Zeit in Anspruch und lässt sich so ganz und gar auf den Tag nicht bestimmt angeben. Wir können aber heute mit Bestimmtheit sagen, dass die Lampe Montag Mittag vollständig fertig ist, sodass wir die Sendung bestimmt im Laufe des Montagnachmittag auf den Weg bringen können und kommen Sie sonach Dienstag früh in den Besitz der ganzen Sendung. Wir bedauern ja ausserordentlich, dass wir Ihnen bis morgen nicht mehr dienen konnten, doch wollen Sie sich versichert halten, dass wir mit der Fertigstellung der Lampe sehr geeilt haben und ohnehin verschiedene Arbeiten zurückgestellt haben. Wir empfehlen uns Ihnen und zeichnen Hochachtungsvoll."

 

Biography of Karl Weule

 

Karl Weule was born 19 April 1864 in Alt-Wallmoden, district of Goslar. He studied geography, geology and mineralogy at the University in Göttingen and Leipzig, where he became a student of Friedrich Ratzel. In 1891 he receive in Leipzig his doctorate in geography. Attracted by German colonialism Weule moved to Berlin, where he studied at Richthofen's seminar (1891-93) and attended the oriental seminar (1892-93). Both seminars were important for anybody who saw his future career in a possible employment in the colonial service. From 1893 until 1899 Weule was an assistant to Adolf Bastian in the Africa section of the Völkerkundliche Museum in Berlin. He returned to Leipzig in 1899 and became a lecturer in ethnology and geography at the University and the director's assistant of the Museum für Völkerkunde zu Leipzig. He was appointed to the chair (außerordentliche Professur) for ethnology and prehistory at Leipzig University in 1901 and promoted to the second director of the Leipzig museum. In 1907 Weule became the single director of the museum that he made to the second major museum for ethnology in Germany of a worldwide reputation. In 1908 he founded the Verein für Völkerkunde at the museum and the academic Ethnographische Seminar (1914) and the Sächsische Forschungsinstitut für Völkerkunde (1914) at Leipzig University. The Forschungsinstitut emphasized that it's only purpose for ethnological research and teaching were to regain the lost colonies and to reestablish Germany's recognition in the world. In 1920 Weule was appointed to the first chair (ordentliche Professur) for ethnology in Germany. He died 29 February 1926.