Jellinghaus CGX-Interface
Keyboards Test, Homerecording & Computer by Matthias Becker, posted june 2002
- Die Firma Jellinghaus Musik Systeme hat sich wahrend der letzten beiden Jahre durch
die Entwicklung yon Software fur Midi-Gerate (Midi Realtime Sequenzer, Midi Recording
Studio, DX 7/DX 9 Sound Editor, Multitrack Composer u. a.) einen Namen gemacht.
Auch an die notige Hardware wurde gedacht. Jellinghaus bietet u. a. an: Ein Midi-Computer-
Interface, das die Verbindung zwischen Midikeyboard und Computer herstellt, einen Midi-Ma-
ster-Synchronizer mit Sync to/from tape-Funktion, zur Kombination der konventionellen
Trigger- und Synchronsignale mit dem neuen Midisynchroncode.
- Das neueste Produkt der JMS Hardware-Serie ist das CGX-Interface, mit dem es endlich
moglich wird, Midi-Gerate mit analogen Geraten zu verbinden. Das CGX wandelt die
digitalen Midi-Daten um in entsprechende analoge CV- und Gate-Daten, mit denen sich
dann Synthesizer der alten Generation - wie etwa der Minimoog oder andere Gerate, die mit
dem Standard 1V/Oct. arbeiten - steuern lassen.
Das CGX befindet sich in einem 19-Zoll-
Gehause (1 HE) und aile AnschluBbuchsen und Bedienungselemente liegen auf der Frontplatte.

- Ganz links die Midi-In-Buchse: Hier werden die Midi- Signale dem Gerat zugefiihrt.
Direkt daneben die Midi- Thru-Buchse, von der die Signale, die das Interface dUTCh die Midi-
In-Buchse empfangt, an andere Gerate weitergegeben werden konnen. Neben Midi- Thru liegen
zwei Ausgangsbuchsen fur die Steuerspannungen.
Pitch liefert die Spannung zur Steuerung der Tonhohe, Velocity eine anschlagabhangige
Steuerspannung, die z. B. zur Beeinflussung des Filters (Klangfarbe) oder des spannungsgesteuerten
Verstarkers (Lautstarke) eines Synthesizers benutzt werden kann.
Naturlich ist dies nur mit einem anschlagdynamischen Keyboard (z. B. DX 7) moglich. Neben den
Steuerspannungsausgangen die Gate-Buchsen: Es wird sowohl ein positives als auch ein negatives Gate
ausgegegeben (bei positivem Gate ist die Spannung bei nicht gedruckter Tate 0, bei gedruckter
Taste 5 Volt. Bei negativem Gate ist es umgekehrt).

- Etwa in der Mitte der Frontplatte befinden sich 2 Leuchtdioden, die das gewahlte Betriebsprogramm anzeigen.
Programm 1: Die zuletzt auf dem Midi-Keyboard gedruckte Taste wird berucksichtigt (last note priority).
Programm 2: Die niedrigste der auf dem Midi-Keyboard gedruckten Tasten wird berucksichtigt(low note priority).
Rechts neben den Leuchtdioden sitzt der Programm Taster, mit dem zwischen diesen beiden Programmen umgeschaltet
werden kann. Der benachbarte Channel-Taster dient der Anwahl des Midi-Kanals (1 his 8). Das Midi des CGX arbeitet
in Poly-Mode, d. h. das Gerat reagiert nur auf Informationen, die auf dem angewahlten Eingangskanal hereinkommen.
Welcher Kanal angewahlt ist, wird durch das Channel-Display gezeigt, wobei Kanal 8 als erscheint.
Ganz rechts auf der Frontplatte noch zwei Drehpotis, von denen das Glide fur die Regelung des Portamento-effektes
vorgesehen ist und Velocity die Intensitat der anschlagsabhangigen Spannung kontrolliert, die an der Velocity-Buchse
ausgegeben wird.
- Um zu testen, ob das CGX Interface auch wirklich das macht, was man von ihm erwartet, habe ich
es zwischen DX 7 und Minimog geschaltet, wobei ich die Velocity-Spannung der Loudness-Buchse des Moog
zugefuhrt habe, um so dessen Lautstarke durch den Tastenanschlag des DX 7 kontrollieren zu
konnen. Und siebe da: Der Moog produziert - ohne wahrnehmbare Verzogerung - tatsachlich
die Tone, die auf der DX- 7- Tastatur gespielt werden.
Voraussetzung dafur ist allerdings, daB auf der Moogtastatur zuletzt ein C ge-
druckt wurde, denn beim Minimoog ist die Tastatur auch bei externer Steuerung
der Oszillatoren nicht abgeschaltet und die Steuerspannung des Keyboards wird
so stets zur extern en Steuerspannung addiert.
Dies ist eigentlich sehr praktisch,
da man beim Live einsatz so die Grundstimmung des Moog mit einem Tastendruck andern kann;
nur muB man halt aufpassen, daB man nicht versehentlich eine Taste beruhrt.
- Durch die Anschlagdynamik wird der Klang des Minimoog entschieden lebendiger und nuancierter,
(schade ist jedoch, daB sich die PitchBend- und Modulation-Funktionen des DX 7 nicht
auf ihn ubertragen. (Fur diejenigen, die hierauf nicht verzichten wollen, bietet JMS
jedoch eine modifizierte - allerdings etwas teurere - Version des CGX an).
Auch die Portamento-Funktion des DX 7 wird nicht weitergeleitet, dieses Problem hat man
jedoch bei Jellinghaus dadurch gelost, daB man das CGX-Interface mit einem Glide-Regler
versehen hat. Der Portamentoeffekt wird also am Interface selbst justiert, was zur Folge
hat, daB es in unmittelbarer Nahe des Midi-Keyboards plaziert werden muB.
Alles in allem funktioniert das Gerat einwandfrei: eine etwaige zeitliche Verzogerung
zwischen Tastendruck und Ausgabe der Steuerspannung liegt unterhalb der
Wahrnehmungsschwelle und auch die Stimmung ist exakt und bringt keine Probleme mit sich.
- Einziger Schonheitsfehler des Gerates ist die Tatsache, daB ein Netzschalter fehlt.
Ich personlich finde es immer etwas unpraktisch, wenn man jedesmal den Netzstecker herauszie-
hen muB, um ein Gerat auszuschalten.
Zu erwahnen ware an dieser Stelle noch das
preiswertere CG-Interface (495,- DM), bei dem folgende Einschrankungen gegenuber
dem groBen Bruder CGX bestehen:
1. Die Anschlagsdynamik wird nicht mitubertragen;
2. Die Portamento-/Glide-Funktion entfallt;
3. Das CG-Interface akzeptiert nur Midi-Channel 1;
4. Es existiert nur ein Tastaturalgorhythmus (last note priority).
Da der Preisunterschied zwischen beiden Geraten nicht allzu gravierend ist, empfiehlt es sich, beide
Gerate einmal direkt zu vergleichen und dabei besonders darauf zu achten, wie
sehr die Anschlagdynamik den Klang eines altmodischen Analogsynthesizers belebt.
- Ich bin sicher, daB durch das CGX-Interface von JMS viele Analogsynthis, die seit dem
Auftauchen der digitalen Gerate unbeachtet in der Ecke standen und verstaubten nun -
im wahrsten Sinne des Wortes - wieder AnschluB finden werden.
Preis: 795,-.
- Plus
- 8 Midi-Kanale
- Obertragung der Anschlagsdynamik
- 2 Tastaturalgorhythmen
- Positiver und negativer Trigger
- Portamentoeffekt
- Minus
- Kein Netzschalter